Für die Festschrift zum 100jähirgen Bestehen unsers Vereins hat Dipl.Ing. Hans Klotz 1970 einen Aufsatz zu den Schutzhütten unserer Sektion geschrieben, folgend wird jener Teil des Aufsatzes wiedergegeben der den Hüttenbesitz der Sektion bis zur Auflösung des Vereins durch das faschistische Regime 1923 beschreibt:

Die Schutzhütten der Sektion

Schon bald nach der Gründung der Sektion erkannte man, dass zur Förderung der alpinen Tätigkeit nicht nur die Schaffung neuer Wege, sondern auch der Bau von Unterstandshütten notwendig war. Das Arbeitsgebiet war in dieser Zeit die unmittelbare Umgebung von Meran, da ja keine Verkehrsmittel zu Verfügung standen und alles zu Fuß gemacht werden musste. Die Mitglieder waren bis auf ganz wenige keine geübten Bergsteiger, sondern bergbegeisterte Menschen, die mit viel Idealismus die Gipfel bestiegen, die ihrem Können erreichbar waren und als Lohn eine herrliche Aussicht boten. In der Umgebung von Meran waren daher vor allem der Hirzer, 2781 m und die Laugenspitze, 2433 m, erstrebenswerte Ziele. Der unmittelbar über Meran aufragende Ifinger, 2581 m, kommt mit seinen schwierigen Gipfelaufbau nur für geübte Bergsteiger in Frage und war daher in diesen Jahren nur für ganz wenige erreichbar.

Die Hirzerhütte, 2050 m

Am Fuße des Hirzers, unmittelbar über der Waldgrenze, konnten durch das Entgegenkommen der Grundbesitzer, Bauern aus Schenna, ein geeignetes Grundstück für den Bau einer Hütte günstig erworben werden. Im Jahre 1874 wurde die ebenerdige Hütte errichtet. Die Unterkunft wurde mit Herd und 8 Matratzen- und 10 Notlager ausgerüstet und erhielt den Namen „Hirzerhütte“. In den ersten Jahren zählte man 50 Übernachtungen jährlich, das war für die damalige Zeit ein sehr guter Besuch. Der Alpenverein hatte den Zugangsweg von Meran über Schenna-Tall zum größten Teil verbessern lassen und einen Steig von der Hütte auf den Hirzer erbaut. Die Hirzerhütte hat alle Zeiten gut überstanden und ist heute noch benutzbar, aber nicht mehr im Besitz des Alpenvereins. Sie wurde, wie alle übrigen Hütten des Vereins, enteignet.

Die Laugenhütte, 2380 m

Die Laugenspitze war und ist wegen ihrer einmaligen Aussicht bei leichter Erreichbarkeit, ein vielbesuchter Berg. Die Sektion Meran ließ bald nach ihrer Gründung einen Weg von Mitterbad im Ultental und von Unserer Frau im Wald zur Erleichterung des Aufstieges bauen. Wenig später wurde auch von Platzers aus ein Steig zur Laugenspitze vom Alpenverein angelegt. Bald kam der Wunsch auf, eine Unterstandshütte, möglichst in Gipfelnähe, zu erstellen. Die Hütte sollte nicht nur als Wetterschutz dienen, sondern auch eine Übernachtungsmöglichkeit schaffen, so dass man den Sonnenaufgang auf der Spitze erleben konnte. Das Erlebnis des Sonnenaufganges auf einem Gipfel war damals einer der Hauptgründe, warum man in die Berge ging.

Im Jahre 1875 wurde etwa 5 Minuten unterhalb des Gipfels auf gekauftem Grund eine Hütte aus Holz errichtet, die mit einem Tisch, Bänken und 6 Schlafstellen versehen war. Die Besucherzahl betrug jährlich etwa achtzig Personen. Nach 30jährigem Bestehen wurde die Hütte dem Verfall preisgegeben, da sie nach der Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten als Stützpunkt an Wert verlor.

Die Gfallwandhütte, 3184 m

Die Gipfel der Texelgruppe, die unmittelbar über Meran aufragen, waren für die Bergsteiger das Traumziel. Von Meran aus waren sie sehr schwer erreichbar, die keine hochgelegene Übernachtungsmöglichkeit bestand. Von äußeren Schnalstal aus war die Besteigung leichter, die man in Allerengelsberg, 1240 m, übernachten konnte und der Aufstieg von dort bedeutend leichter ist als unmittelbar von Meran aus. Der markanteste Gipfel der Texelgruppe ist die Gfallwand, auch Zielspitze genannt, 3174 m.

Dier Gipfel ist ohne besondere technische Schwierigkeiten erreichbar. Im Jahre 1875 wurde von der Sektion Meran ein Steig von Allerengelsberg zur Gfallwand angelegt. Auf dem Gipfelplateau wurde 1877 als Wetterschutz eine kleine, offene Hütte aus Stein erbaut. Durch Eis und Schnee wurde die Hütte immer wieder beschädigt und 1894 ließ man sie auf, da inzwischen die Lodnerhütte eröffnet worden war, so dass die Notwendigkeit einer Hütte auf dem Gipfel nicht mehr gegeben war.

Die Lodnerhütte, 2250 m

Der große Aufschwung der Sektion Meran drückte sich nicht nur in der Zahl, sondern auf im bergsteigerischen Können und in der Zielsetzung ihrer Mitglieder aus. Immer mehr wurde das Hochgebirge und damit die Texelgruppe das Ziel. Die Errichtung eines hochgelegenen Stützpunktes in der Texelgruppe wurde dadurch eine Notwendigkeit.

Die Gemeinde Partschins schenkte dem Alpenverein ein sehr geeignetes Grundstück im Zieltal, auf dem die Schutzhütte in Stein erbaut wurde. Die ebenerdige Hütte hatte eine Küche, 12 Matratzenlager und Heulager für 30 Personen. Die Hütte wurde 1891 eröffnet und es übernachteten in diesem Sommer bereits 70 Personen. Um die Ersteigung der Berge im Hüttenbereich zu erleichtern, wurden Wege und Steige angelegt, so zur Gfallwand, zum Roteck, Lodner, Tschigat usw.

Um die Jahrhundertwende musste die Hütte vergrößert werden, so dass 16 Betten, 10 Matratzen und 20 Notlager zur Verfügung standen. Die Wege wurden ausgebaut, vor allem die Verbindung zur Stettiner Hütte am Fuße der Hochwilde, zum Hochganghaus usw. Die Lodnerhütte war bis zum ersten Weltkrieg das eigentliche Bergsteigerheim der Sektion Meran. Die Hütte ist heute noch in Betrieb und im Besitz des CAI, nachdem sie nach Ende des ersten Weltkrieges enteignet worden war.

Das Christomannos-Haus am Pordoijoch, Dolomiten, 2250 m

Der rasche Aufschwung des Alpinismus in den Jahren nach der Jahrhundertwende, der sich besonders in den Dolomiten auswirkte, machte die Errichtung von neuen Schutzhütten erforderlich. Dr. Theodor Christomannos, der von 1891 bis zu seinem Tod im Jahre 1911 Vorstand der Sektion Meran war, erkannte, dass auf dem Prodoijoch ein Schutzhaus notwendig war.

Dieses Haus sollte nicht nur die Bergsteiger, die von der Sellagruppe zur Marmolata wollten, sondern auch für die Benützer der neuen Dolomitenstraße Bozen-Cortina als willkommene Raststätte dienen. Die Sektion beschloss den Bau eines besteingerichteten Hauses mit 60 Betten.

Der Bau konnte nur dank einer großzügigen Bereitstellung der finanziellen Mittel durch Meraner Bürger durchgeführt werden. Die Fertigstellung erfolgte im Jahre 1911. Zur Ehrung des verdienstvollen Sektionsvorstandes, des großen Bergsteigers und Pioniers des Alpinismus und Fremdenverkehrs, erhielt es den Namen „Christomannos-Haus“. Das schöne Christomannos-Haus, der Stolz der Sektion Meran, wurde im ersten Weltkrieg zerstört.